Zeichen

Sonntagnachmittag.

Ich sitze so herum und denke über Zeichen nach. Überall sind welche. Egal, was man gerade tut oder nicht tut, es scheinen einem ständig Zeichen zu begegnen. Und wenn mal gerade nicht, dann denkt man trotzdem: „Huch, das war doch jetzt aber sicher wieder so ein Zeichen!“

Das sind dann auch die schlimmeren. Denn die wirklichen Zeichen, diejenigen also, bei denen es evtl. von Wichtigkeit wäre, auf sie zu reagieren, weil das einem vielleicht etwas Gutes brächte oder etwas Schlechtes ersparte, nimmt man ungünstigerweise niemals so richtig wahr. Beziehungsweise erst zu spät. Im Nachhinein erscheinen sie dann total klar und logisch, und dann hätteste mal besser und wie konnteste das nur übersehen und aber nächstes Mal ganz bestimmt.

Den Nicht- oder Gespensterzeichen dagegen, die man sich in zeichenlosen Zeiten herbeispinnt, weil es ja nun auch nicht sein kann, dass gerade nirgendwo ein Zeichen herumschwurbelt, schenkt man zumeist von Beginn an größte Aufmerksamkeit. Auf eine Art ja auch verständlich, entsprangen sie ja gerade erst dem eigenen Hirn. Da müssen die ja wertvoll und beachtenswert sein, geht ja nicht anders. Und schwuppdiwupp beginnt man damit, sie zu deuten und sich damit auseinanderzusetzen. Ausgiebig. Mit Inbrunst. Bis zum Blödewerden.
Und dann tut man irgendetwas. Und zwar ziemlich sicher das Falsche.

Das Dumme daran: man müsste ja gar nichts tun. Wenn im Fenster die Scheibe fehlt, braucht man es zum Lüften nicht zu öffnen. Auch das Thermostat einer nicht funktionierenden Heizung dreht man normalerweise gar nicht erst auf. Wenn ein Zeichen nicht existiert, braucht man es also auch nicht aufzugreifen. Nur weiß man ja zum betreffenden Zeitpunkt leider gar nichts von seiner Nicht-Existenz. Ein Dilemma!

Vielleicht sollte man zur Vermeidung unnützen Aufwandes und zur Blödewerdvorbeugung sämtliche Zeichen einfach ignorieren.
Mal ernsthaft, die wahren Zeichen gibt es ja wahrscheinlich sowieso gar nicht. Selbst wenn doch, dann wäre das ja auch egal, weil man sie eh nicht rechtzeitig sieht. Und die Pseudozeichen hätte man somit auch direkt ausgeschaltet.

Genau so mache ich das. Ich werde solche Zeichen gar nicht mehr wahrnehmen. Ab jetzt. Bestimmt wird dadurch alles sehr viel einfacher. Muss ja.

Nun saß ich ja aber nun mal so herum und dachte nach. Und schrieb etwas darüber auf.
Das kann ja dann wohl auch kein Zufall sein. Ich hatte das ja ursprünglich gar nicht vor. Bestimmt war der Denk- und Aufschreibimpuls ein Zeichen. Ich soll das alles nicht für mich behalten oder irgendwie so. Erscheint ja auch schlüssig, andernfalls wäre die ganze Mühe ja vergebens gewesen. Dann obendrauf noch die frische Mail im Posteingang, wonach a new contact my mailing list gejoined hätte. Na, gibt’s denn sowas? Der will doch sowas auch wissen. Also klar. Sicherlich. Unbedingt.

Ach naja, und mal Hand aufs Herz: das Ignorieren von Dingen liegt mir sowieso nicht.

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