MeiaPopeia
   
26Jan/12

Die Pflanzen und ich

Vielleicht bin ich nicht gerade mit einem grünen Daumen gesegnet. Dass es nun aber ein brauner ist, das lasse ich mir nicht einreden.

Neulich (vor etwa 9 Tagen, wobei ich mich hier nicht festlegen möchte; aber es war ein Dienstag und heute ist Donnerstag und da könnte das mit den 9 Tagen schon ganz gut hinkommen, denn nur 2 waren es nicht und an Dinge von vor 16 Tagen würde ich mich wahrscheinlich auch kaum noch erinnern, also nehme ich die 9 Tage jetzt mal als gegeben an, denn eigentlich ist es ja auch völlig egal, wie weit zurück das Ereignis auf den Tag genau zurückliegt, von dem ich hier berichten möchte) stahl ich eine Topfpflanze.

Mir fällt bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal im Leben die Anmut des Wortes "Topfpflanze" auf. Wieviele Wörter es weltweit wohl geben mag, in denen "pf" auf "pf" folgt?

"Kopfpflaster" vielleicht, wobei da ja für gewöhnlich noch ein eingeschobener "Stein" eingebaut ist, dieser dann allerdings kleingeschrieben. Gut, bei einer Schädelplatzwunde, die nicht deftig genug ist, um sie von einem Mediziner nähen oder sonstwie behandeln zu lassen, klebt man sich ja schon mal ein Pflaster an den Kopf. Das somit entstandene "Kopfpflaster" könnte man dann so nennen, aber das macht doch kaum jemand.

Stellt man sich einen Weg vor, den soeben ein gutgelaunter Mensch oder ein fröhliches Tier entlangspringt, könnte man diesen vielleicht "Hüpfpfad" nennen. Ich finde aber, dass auch dieses Wort doch sehr konstruiert klingt.

Es könnte ein klarinettenähnliches Musikinstrument namens "Zupfpfeife" existieren, in das man hineinbläst, während man mit den Fingern an kleinen, außen an der Gerätschaft angebrachten Hähnen zerrt. Davon habe ich bisher aber nichts gehört.

Und wahrscheinlich kennen höchstens Frauenärzte ein Wort namens "Krampfpflaume", welches sie unter ihresgleichen, auf Tagungen oder Semestertreffen spöttisch erwähnen. Aber wer ist schon Frauenarzt und kann und möchte das bestätigen?

Die "Topfpflanze" dürfte somit wohl das einzige gängige Wort mit Doppel-"pf" sein. Ich lasse mich hier ebensogern belehren wie belustigen und bitte den geneigten Leser, ihm bekannte gebräuchliche oder bislang unbekannte, jedoch zur Feier des Moments gerade erfundene Doppel-"pf"-Wörter hier als Kommentar zu hinterlassen.

Nun schwoff, schwaff oder schweifte ich aber ab. Es ging ja ursprünglich um den Diebstahl besagter Pflanze, die ich also vor 9 Tagen oder so unter Alkoholeinfluss und dem Einsatz nicht geahnter krimineller Energie einem recht hübschen Hinterhofgesträuchensemble im südlichen Norden Berlins entnahm. Dies auch zum Zwecke der Verschönerung meines Wohndomizils, welches sich zum nämlichen Zeitpunkt komplett pflanzenlos präsentierte. Auch, aber nicht nur. Eine gute Spur Edelsinn war ebenfalls im Spiel.

Zur Erläuterung: jedes meiner bisher besessenen Gewächse ereilte der plötzliche Pflanztod, was ich jeweils nicht mir selbst, sondern viel lieber unerklärlichen Phänomenen zuschob. So bildete ich mir ein, dass es hier stets daran lag, für die Lebewesen -es handelte sich zum Kaufzeitpunkt ja immer noch um solche- Geld bezahlt zu haben. Sklaverei also, ein gar verabscheuenswürdiger Vorgang. Welcher sich dann eben schnell rächte. Andere Leute schaffen es dann zwar, ihre auf diese abscheuliche Weise erworbenen Blumen, Büsche und Kräuter durchzubringen, dies aber auch nur, weil sie nicht annähernd so sensibel sind wie ich. So etwas merken Pflanzen eben schon recht schnell.

Diebstahl dagegen, so dachte ich mir nun, könnte man in dem Fall ja auch gut als heldenhafte Tat deuten. Das Objekt der Begierde konnte zuletzt zwar zugegebenermaßen auch glänzen, aber doch nur als Teil einer Gruppe von Sträuchern. Ziemlich großmütig schien mir da der Gedanke, sie diesem Dasein zu entreißen, um sie fortan als schillerndes Individuum im Innern meiner Wohnung darzustellen. Während ich das Buschwerk ergriff und seinem Bestimmungsort zuführte, malte ich mir gedanklich schon eine blühende Zukunft aus. Die Staude auf einem Ehrenplatz und ich, der sie hegt und pflegt und sich täglich, wenn nicht gar stündlich an ihr ergötzt.

Ein Trugbild, es sollte so anders kommen. Und das so schnell.
Inzwischen ist mir nun auch dieses Bäumchen eingegangen. Es wurde trotz reichlichen Gießens sehr plötzlich sehr braun und sehr trocken. Auch Notfallduschen brachte nichts mehr, das hübsche Gestrüpp ist mir einfach unter den Händen weggestorben. Traurig!

Ich behaupte, das Bäumchen war schon vorher krank und wäre auch draußen, inmitten seiner Ex-Kollegen verendet. Den braunen Daumen zu haben, das weise ich von mir. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif. Eines Tages jedoch, wenn die Zeichen gut stehen, werde ich den Beweis erbringen und eine monate-, wenn nicht gar jahrelange Lebensgemeinschaft mit einem hübsch gedeihenden Pflänzchen eingehen.

7Dez/11

Der frühe Vogel lässt sich auch nicht alles gefallen

Heute Morgen wurde ich Zeuge eines für einen Großstädter nicht unbedingt alltäglichen Schauspiels.

Ich lief auf dem Weg zum Büro am Spreeufer entlang und erblickte im Laub zunächst eine Gruppe Krähen, die schon auf den ersten Blick einen recht aufgeregten Eindruck machte. Ich kam näher und entdeckte in ihrer Mitte einen Falken, der soeben eine Taube verspeiste. Abwechselnd sah er seine Beute und die lauernden Krähen an, 6 an der Zahl, und noch bevor ich die Gelegenheit hatte, überhaupt auf den Gedanken zu kommen, die Szenerie fotografisch festzuhalten, hatte er mich bemerkt. Mit einer blitzschnellen Bewegung rammte er seine Krallen fest in den Taubenkadaver und hob mit ihm in Richtung des Wassers ab.
Dies hielt ich noch für eine nachvollziehbare Aktion, nicht jedoch das, was die Krähen taten: sie flogen sofort ebenfalls los, verfolgten den Falken und attackierten ihn im Flug.

Gemeinsam landeten alle etwa 20 Meter entfernt, in meiner Wegrichtung, und kaum waren sie am Boden, ließen die Krähen wieder vom Falken ab. Erneut hatten sie sich um ihn herum positioniert und beobachteten ihn nervös, doch verhältnismäßig friedvoll beim Fressen.
Ich war inzwischen langsamer geworden und hatte die Vorbereitungen getroffen, ein Foto zu machen. Gerade, als ich glaubte, nah genug dran zu sein, nahm der Falke wieder Notiz von mir, krallte sich die Taubenleiche und erhob sich mit ihr abermals in die Luft. So weit, so absehbar.

Ich erwartete nun, dass ihm die Krähen ein weiteres Mal folgten. Ich war zwar immer noch überrascht darüber, dass sie sich dem Falken im Luftkampf offenbar überlegen fühlten, fand das geradezu absurd, nahm es nun aber als gegeben hin. Und so ähnlich geschah es auch: die Krähen flogen ihm hinterher, holten ihn kurz darauf ein und bearbeiteten ihn im Fliegen mit Krallen und Schnäbeln. Jedenfalls 5 der 6 Krähen.

Jene 6. flog genau auf mich zu. Griff mich an. Schreiend. Wollte mich Störenfried verjagen.

Ich bekam das recht spät mit, weil ich ja in Richtung der anderen Vögel geschaut hatte. Der angreifende Kollege war noch etwa einen Meter von meinem Gesicht entfernt, als ich ihn bemerkte und mir der Gefahr bewusst wurde, in der ich angesichts dieses wütenden, aus der Nähe betrachtet doch sehr stattlich erscheinenden Kawenzmannes schwebte.

Mir blieb nicht viel übrig, als mich zu ducken. Die Krähe flog über mich hinweg, drehte um, kam zurück und startete einen neuerlichen Vorstoß. Im Hocken ergriff ich einen herumliegenden Ast, erhob mich und wedelte mit ihm in der Luft herum. Ich glaube, ich schrie auch leicht hysterisch, in der Hoffnung, dem Federvieh damit Einhalt gebieten zu können.

Für einen Menschen sah das sicherlich eher amüsant aus, auf die Rabenbestie schien es aber Eindruck zu machen. Und so drehte er ab und bewegte sich in Richtung seiner Kumpels, die ihrerseits bereits wieder um den Falken herum saßen, etwa an der Stelle, wo ich sie 3 Minuten zuvor das erste Mal erblickt hatte.

Im Flug drehte Nummer 6 noch einmal den Kopf in meine Richtung und schrie irgendetwas. Ich ahnte, was in etwa er damit sagen wollte, warf meinen Stock weg und rief ihm hinterher: "Jaja, ist ja gut! Ich gehe dann einfach mal. Guck!"

Von diesem Erlebnis, besonders aber vom Wagemut des Vogels beeindruckt startete ich meinen Arbeitstag.


Und wo ich gerade beim Wagemut bin: folgendes Filmchen zeigt ein sehr tapferes, außergroßstädtisches Kerlchen, an dem ich mich nicht sattsehen kann: Kleinman, den Honigdachs.

Wer den nicht sofort in sein Herz schließt, den soll die Krähe beim Scheißen treffen. Oder so.



15Aug/10

Gereimnis: Möwe

Es fliegt eine Möwe spazieren am Meer,
sie ist aus der Puste, die Flügel sind schwer.
Da kommt ein phantastischer Aufwind daher
und sie entspannt. Das gefällt ihr sehr.

Und so schließt sie die Augen, lässt sich treiben vom Wind,
und schwebt ohne ihr Zutun über's Meer, und zwar blind.
Man kann alles verlieren, wenn man glaubt, man gewinnt.
Und die Möwe verliert. Weil dort Windräder sind.