MeiaPopeia
21Mrz/13

21 Dinge

Eigentlich 15 Dinge. Also 3 mal 5.
Und zwar hinterrücks geklaut von der Frau Alles ihrem Blog. Genauerer Tatort des Diebstahls: hier so.
Voll uralt, dies Stöckchen. Aber mir doch wurst.

Nun ist aber nicht die 5, sondern die 7 meine Glückszahl. Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher, ob sie mir jemals tatsächlich Glück brachte. Pech aber eben auch nicht. Und ich mag sie halt lieber als jede andere Zahl. Muss man ja nicht hinterfragen oder analysieren. Kann man getrost als gegeben hinnehmen. Ist total leicht.

Demzufolge habe ich aus 3 mal 5 kurzerhand 3 mal 7 gemacht.
Wäre ich konsequenter, hieße dieser Beitrag selbstverständlich "49 Dinge", doch irgendwo muss ja auch mal Schluss sein.

Also nun:

    Sieben Dinge, die ich nicht habe, aber gerne hätte:

  • Einen Esel, der nichts zu tun hätte, als einfach nur Esel zu sein. Und glücklich.
    Womöglich plus Partnerin, wenn das noch als ein Punkt durchginge.
  • Ein Grundstück, groß genug für mich und zwei bis viereinhalb weitere Personen. Und den Esel.
    Und seine Frau, sollte die klargehen.
  • Ein gern olles, aber solides und funktionables Haus auf dem Grundstück für mich und zwei bis viereinhalb weitere Personen.
    Mit Kamin, bitte. Und einem klaren See. Mit Steg.
  • Einen kleinen, aber dennoch prächtigen Schuppen, für den Esel zum drin verweilen, wenn's mal kühler ist.
    Und seine Gattin, je nachdem.
  • Ein nicht zu nobel*, aber brauchbar ausgestatteter Muckeraum im Keller des ollen Hauses. Neben der kleinen, nicht zu übertrieben ausgefallenen* Privatbrauerei.
    *: Dies soll meine Bescheidenheit zum Ausdruck bringen.
  • Genügend Schütte, um das alles und evtl. noch viel mehr finanziell ganz locker über Wasser halten zu können.
  • Stets mindestens 26° C, höchstens aber 32° C im Schatten. Und nur ab und zu nur und dann auch nur spät nachts Regen.


    Sieben Dinge, die ich habe, aber lieber nicht hätte:

  • Die lichten Stellen im Haupthaar. Also so wenig Frisiermöglichkeiten. Also dieses Zwangsgestoppel.
  • Das Vermögen, innerhalb der Bude immer noch irgendwo eine Deponiermöglichkeit fürs Leergut zu finden.
  • Die Hoffnung und den unbedingten Glauben an Herthas Meisterfeier, noch zu meinen Lebzeiten.
  • Finanzielle Verbindlichkeiten.
  • Daseinsgrübeleien in den späten Abendstunden.
  • Schnee im Frühling.
  • Und vieles mehr.


    Sieben Dinge, die ich nicht habe und auch nicht haben möchte:

  • Eine so sehr ausgeprägte Oberflächlichkeit, dass mich Äußerlichkeiten immer davon abhalten könnten, Interesse an Menschen zu entwickeln.
  • Eine Putzfrau.
  • Hass.
  • Feigwarzen.
  • Einen Zettel für den Recall.
  • Nicht ausräumbare Familienstreitigkeiten.
  • Appetit auf alkoholfreies Bier.


20Mrz/13

Frühlingsanfang

Damals, Ende März 2013.

Die Bäume, Sträucher und Wiesen blühten im grellsten weiß, der Himmel schimmerte bestenfalls hellgrau. Von den Dächern rutschten Eislawinen und der anhaltende Schneefall sorgte für Nachschub.
Die meisten der dick eingemummelten Menschen, so behaupte ich, hatten das Dickeingemummel verdammt satt und den Winter längst über und die Faxen sowieso gehörig dicke. Sie sehnten sich nach Sonne, blauem Himmel, Blütenduftluft, Vogelgeflatter und Schmetterlingsgezwitscher.
Und nach grünen Wiesen und Kaffee und Bier und Eis und Obst und Grillgut und Zwischenmenschlichem im frostlosen Freien.

Man kann aber nicht immer alles haben.
Das war damals schon so. Ebenso wie die Tatsache, dass permanentes Meckern, Mosern und Motzen zumeist keine Wetterveränderung mit sich bringt.

Damals, Ende März 2013, half gegen die Schlechtgelauntheit mal wieder nur das, was fast immer hilft: Unfug.
Ich beschloss sogleich, daran andere Schlechtgelaunte mit Bessergelauntheitsabsicht teilhaben zu lassen.

Diese drückten dann also hier unten auf Play und schunkelten los wie blöde.

Frühlingsimpression

Frühlingsimpression

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


Zieh den Wintermantel an, weil’s heut kälter werden kann,
und dann nüscht wie raus nach Wannsee!
Ja, wir schlittern wie der Wind durch den Grunewald geschwind,
und dann sind wir bald am Wannsee.

Hei, wir stolpern übers Wasser
wie die Pinguine fein.
Und selbst deine fette Mutter
bricht nur ganz, ganz selten ein.

Doch das ist jetzt einerlei. Komm, wir rutschen noch bis Mai!
Denn vielleicht ist der Winter dann vorbei.

Also wie gesagt: damals half das.
Wenn auch nur ganz kurz.

8Mrz/13

Mach’s jut, Kumpel!

Genau vor einem Monat sah ich Dich zum letzten Mal.

Du schliefst fest.

Die Maschinen, an die Du angeschlossen warst, summten leise, regelmäßig, fast beruhigend.

Tatsächlich konnte mich in diesem Moment nichts so recht beruhigen, hatten die behandelnden Ärzte doch gerade eben erst ihre niederschmetternde Prognose verkündet.
Somit war ich beim Gang an Dein Bett diesmal wackliger auf den Beinen als noch 10 Wochen zuvor.
Damals, als ich Dich das erste Mal auf der Intensivstation besuchte.
Als mich die Situation aufgrund ihrer Neuheit überforderte.
Als ich Dich dort liegen sah zwischen Monitoren, Maschinen und Medizinbatterien.
Als ich so unsicher war, wieviele meiner Worte Dich erreichen und wieviele der Berührungen Du spüren würdest.
Als ich weder ahnte, welch lange Leidenszeit Dir bevorstehen würde, noch mir bewusst war, wie kräftezehrend die folgenden Wochen für uns alle werden würden.
Und als ich mir verbot, die Hoffnung zu verlieren und mir nicht zugestand, ernsthaft in Erwägung zu ziehen, Du kämst hier nie wieder raus.

Diesmal, genau vor einem Monat, war dieser Gedanke jedoch sehr präsent.
Alles deutete darauf hin, dass dies wohl der Moment war, Abschied von Dir zu nehmen.

Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit dazu hatte und überzeugt davon, dass Du es mitbekamst.
Und sicher warst, dass wir aufeinander aufpassen werden.
Und Du gehen darfst.

Ich vermisse Dich. Doch ich lächle längst schon wieder beim Gedanken an Dich.
Glücklich, einen Vater gehabt zu haben, der mich seinen Kumpel nannte und mir selbst einer war.

Okay, jetzt weine ich. Aber nur ganz kurz. Versprochen!

10Dez/12

Gereimnis: Schnee

Es war Winter, die Wolken verbargen den Tag,
und wie's häufig so ist gab's bald Niederschlag.



"Hurra, ich darf Schnee sein!", frohlockte der Regen.
Es kam ihm die Jahreszeit ziemlich entgegen.

"Ich fall' nicht nur runter, ich lasse mich treiben
und kann nach der Landung still liegenbleiben."

Schwebend sah er von oben fast nur weiße Massen,
und er konnte so recht noch sein Glück gar nicht fassen.

Doch zum Schluss kam es anders: wo er aufkam lag Salz.
So kann's gehen im Leben. Mit viel Pech jedenfalls.



Doch verzagte er nicht, denn ihm war vorher klar,
dass das Schneeflockendasein ein flüchtiges war.

23Nov/12

U-Bahn fahr’n

"Verzeihung, darf ich mal meinen Koffer hier abstellen, bitte?"

Mit diesen Worten betrat kürzlich ein glattgescheitelter Jungschnösel am frühen Morgen mein U-Bahn-Abteil, im Schlepptau einen sehrsehrsehr überdimensionierten Rollkoffer.
Mein erster (und im Endeffekt ja auch letzter) Eindruck von ihm war insgesamt kein positiver, was sowohl in seiner mir auf Anhieb unangenehmen Erscheinung als auch im vorgetragenen Anliegen begründet lag, welches mir ja Bewegung abverlangen sollte. Ein Zuviel an Bewegung empfinde ich besonders morgens als Zumutung, das hätte er ahnen können. Und von Fremden angesprochen wird man morgens auch ungern. Das ist Gesetz, das hätte er wissen müssen.
Allerdings aber hatte er ja "bitte" gesagt, also verbot mir meine gute Kinderstube eine unfreundliche Ansage in seine Richtung. Eine freundliche wollte mir aber auch nicht über die Lippen kommen, und so beschränkte ich mich auf ein kurzes Nicken, welchem ich ein der Situation angemessen genervtes Ausatmen beifügte. Danach trat ich zweieinhalb Schritte zur Seite (einer hätte nicht ansatzweise genügt. So sehrsehrsehr überdimensioniert war der Koffer).
Schließlich sagte der Jüngling "Danke", und ich entgegnete, wenn auch leise, "Hrmpf."

Damit würde dieser Text hier enden, hielte ich mich nur an die Fakten. Dies wäre zwar edel, aber im gleichen Maße idiotisch, da die Szene ja nun überhaupt nichts von Interesse hergibt. Kein politisches Statement, keine oberlehrerhafte Weisheit, noch nicht mal schlimmen Humor. Nichts. Also hätte sie überhaupt nicht aufgeschrieben werden müssen, was ja aber nun mal unglücklicherweise schon passiert ist. Und immerhin ein klein wenig Mühe hat das Aufgeschreibe bis hierher auch schon gemacht, da fällt es mir nicht so leicht, hier jetzt holterdipolter alles wieder wegzulöschen. Zudem glaube ich, dass all die bisher verwendeten Blogstaben sicherlich auch ziemlich enttäuscht wären, nähme ich ihnen nun das Leben.
Ich bin so nicht.

Stattdessen möchte ich, gewissermaßen als schmückendes Beiwerk, dem flauen Geschichtelein den nun folgenden komplett ersponnenen Dialog zwischen zwei komplett ersponnenen Mitfahrgestalten zufügen. In meiner Phantasie handelt es sich hierbei um zwei befreundete Frührentner, die beigefarbene Windjacken und Schirmmützen tragen, ihre Namen nicht nennen, ihre Herkunft dagegen aber nicht so recht verbergen können.


"Kiek ma, wat für'n Riesenkoffa!"

    "Dit is keen Koffa, dit is 'n Schrank!"

"Alladinx. Jibt Menschn, die uffm Raum von son Koffa wie den lehm müssen."

    "Echt jetze?"

"Klar, ey. Kannste übaall nachlesn. Übaleg da dit ma! Die ham da dann ooch keen fließend Wassa und allet."

    "Und Heizunk hamse da dann manschma ooch nich."

"Hier, aber Kolleje Mostrich mit sein Mejakoffa, der hat da drinne bestümpt sojar 'n Bidet, oda wat!"

    "Janz sicha. Weeß ick ja ooch nich, wie die Piepels dit heutzutare allet so jebackn krieng. Allet watse wolln, hamse ooch."

"Ja, und dann aba ooch imma glei von Feinstn. Is nüscht mit hier so Kick oda Schibo. Nee, immer glei so richtee. Kiek da ma an, dit fette Koffateiel. Mit Joldnieten ooch noch."

    "Wo nehm die denn den Schotta her für dit allet? Ick meine, wat ham die denn bitte für Dschobs?"

"Keene Ahnunk. Du kannst ooch Frang stelln!"

    "Soll ick den ma frang?"

"Hör uff, Doh! Mit dit Juppivolk wollnwa ja wohl nüscht zu tun ham!"

    "Naja, villei issa ja ooch nur 'n Student, und den Koffa hatta sich von seine Oma jepumpt. Oda dit Jeld dafür."

"Ditte? Dit is doch keen Student. Kiek do ma, wie der schon kiekt! Und außadem isset morjens um sieme. Student, wa?"

    "Stümpt, haste recht. Kann ja dann nich sein. Ey, pass ma uff, nachher is dit 'n Prinz, oda wat!"

"Klar logn! Kannste ma übalegn? Hier, der is so'n Prinz und fährt dann hier morjens um sieme in Kreuzberg mit de
U-Bahn sein Jepäck durch de Jejend, wa? Mannmannmann, Deine Fantasie will ick habn, ey!"

    "Na, viellei in so jeheima Mission. Wie in den Zamundafülm. Kennste?"

"Ick kiek keen Fernseha. Da wirste doch blöde von in Jehürn. Siehste ja nu grade supa an Dir, wa!"

    "Ey komm, dit war ja nur so'ne Übalejunk. Is ja wahrscheinlee jar nüscht dranne. Kannst da wieda abrejen."

"Pöh, ick war ja noch jar nich mal großartich uffjerecht. Allet jut. Is ehmt halt nur keen Prinz, der Tüp."

    "Nee, issa nich. Weil wenn, dann hätta ja ooch ürnkwie 'n Diena dabei. War in den Zamundafülm ooch so."

"Ey, hörste jetze ma uff mit dit Zamundaprinzjelaba? Dit is ja schon fast 'ne Manie!"

    "Dit weeß man nie. Hoh hoh! Ey, vastehste? Manie - man nie! Hoh hoh!"

"Wer issen nu wieda Manni? Manchma wer' ick nich schlau aus Dein Jelaber. Ooch nach die janzen Jahre nich."

    "Sollte ja nur 'n Ulk sein."

"Ja, is jut. War ja ooch nich wichtich. Aber der Koffa, Alta, der Koffa. Um nochmal zurückzukomm uff dit Thema. Den kricht der doch uff keene Rolltreppe ruff."

    "Na, dann mussa dit Teil ehmt schleppen. Dit mussa im Normalfall sowieso, weilwa hier ja schließlee nich in Monte Carlo sind oda wat, sondan inne Deutsche Hauptstadt. Und hier jehörtet ja nu ma zun juten Ton, dass Rolltreppen nich jehen."

"Ja, wie solln die denn ooch jehn bitte? Ham die Beene?"

    "Jut. Nich jehen. Funxjoniern ehmt. Funxjoniern tun die nie. Dit ist doch längst Standard. Arm aba sexy, wa! Die janze Stadt."

"Arm is klar. Aber wat issen an so'ne marode Rolltreppe nu bitte sexy?"

    "Na, pass uff: dit is nämlich 'ne total durchdachte Jeschichte. Vollet Kalkül, wennde mich fragst. Ne Offensive vonne Stadt, zusammen mitte BVG. Weil wenn die Teile imma kaputt sind und die Leute also loofen müssen, denn kriegense von janz alleene janz stahlharte Waden und allet. Is ja den janzen Orjanismus ooch zuträglich, wennde Dir bewejen tust. Bleibste vital von."

"Ja, dann loof Du abba ooch ma mehr, Du Knallkopp! Hilfste den Knilch am besten glei ma seine mobile Zweezimmawohnung schleppen. Der will hier ooch raus."

    "Meinste, soll ick?"

"Mann, denk doch bloß ma nach, ey! Dit jeht do jar nich."

    "Warummen ditte nich?"

"Weil wa volle Kanne ausjedacht sind. Uns jibtet jar nich. Uns hat der Meia einfach nur afunden."

    "Wie? So janz komplett?"

"Ja, sa'ick doch."

    "Ooch die blöden Klamotten?"

"Ooch die Klamotten!"

    "Alta! Wat issen dit für eena?"

"Dit sa'ick Dir. Voll der Trop"

    "Ja, und nu?"

"Jetzt hört der glei uff mit dit Uffschreim."

    "Und wat machenwa dann?"

"Kneipe?"

    "Nich 'n bisschen früh für Kneipe?"

"Ey, wir sind krass ausjedacht. Astunkn und alogn. Und von wen? Von den Meia. Also? Kneipe!"

    "Jut. Kneipe."

"Schüss, Meia, Du Krepel."

    "Ja, von mir ooch Schüss!"



Tschüss, Männer!