MeiaPopeia
14Mrz/14

Heulsusenhausen

Manchmal heult man ja. Außer, man ist ein Stein.

Ich bin keiner, und folglich heule ich halt manchmal.

Die Beweggründe dafür können unterschiedlichster Natur sein: Trauer, Wut, Freude, Mitgefühl, Verzweiflung, Enttäuschung, Schmerz, Liebe, Herzscheiße, Allergien, Amüsement. Alles da gewesen in den letzten Wochen und Monaten. Darüber möchte ich mich hier jetzt aber gar nicht auslassen.

Um das aber dennoch mal zusammenfassend loswerden zu können, ist es ganz praktisch, dass man auch aus Rührung heulen oder nah dran sein kann. Also ich. Als Nichtstein.
Letzteres jedenfalls ereilte mich jüngst beim Betrachten dieses Videos:





Man ist nicht automatisch ein Stein, wenn einen das nicht rührt.
Aber man ist näher dran als ich.

12Feb/14

Schreib mal wieder!

Der Potsdamer Postkutscher putzt den Potsdamer Postkutschkasten.
Den Potsdamer Postkutschkasten putzt der Potsdamer Postkutscher.

So ist es überliefert. Und das ist ja auch sehr löblich, schließlich macht so ein geputzter Postkutschkasten schwer was her bei der Postzustellung.
Gut, den Erhalt unerwünschter Rechnungen, Mahnungen und Möbelprospekte vermag auch ein mühevoll geputzter Postkutschkasten nicht zu versüßen. Sehr wohl aber kommt so einer doch recht stilvoll daher bei der Auslieferung handgeschriebener Zeilen, zumal dann, wenn sie einen sogar unverhofft ereilen. Wie ehrlich doch das Lächeln ist, erhält man ein liebevoll beschriebenes (und ausreichend frankiertes!) Stück Papierpost.
Die Wenigsten jedoch werden sich an solch einen Moment der Freude erinnern, ist man doch heutzutage beinahe vollends dazu übergegangen, Grußbotschaften und persönliche Nachrichten elektronisch zu übermitteln.

Wenn man mal genau darauf achtet, stellt man dann auch fest: der Potsdamer Postkutscher putzt den Potsdamer Postkutschkasten daher schon gar nicht mehr ganz so gründlich.
Warum auch? Es dankt ihm ja kaum jemand. Da kann man dann auch schnell mal resignieren.

Nun soll es Menschen geben, denen das Schicksal des Potsdamer Postkutschers nicht komplett egal ist. Und die zudem sowohl dem Erhalt als auch dem Versenden analoger Botschaften, vor allem in Postkartenform, etwas abgewinnen können. Denjenigen sei mit diesen Zeilen folgende frohe Kunde übermittelt:

Es gibt jetzt ein Postkartenkaufhaus namens #analogbotschaft.

Hierbei handelt es sich nur auf den ersten Blick absurderweise um einen Platz im Internet, der sich der Verbreitung nichtdigitaler Medien, eben in Form von Postkarten verschrieben hat.
Die hier erhältlichen Karten zieren ausgewählte und in verschiedene Kategorien gepackte Wort- und Zeichenergüsse einer Reihe von Twitterern, die den ihnen zustehenden Anteil am Verkaufserlös zum Teil für ein zukünftiges Leben in Saus und Braus zu nutzen gedenken, zum anderen Teil aber auch höchst edel an gemeinnützige Organisationen zu spenden versprechen.

Alle hier erhältlichen Produkte machen sich mindestens prima als Wandschmuck oder Untersetzer, haben aber allemal auch das Potential, als per Potsdamer Postkutscher ausgelieferter (und ausreichend frankierter!) Lächelgarant zu fungieren.

Ein Kaufhaus also, das die oben genannte Zielgruppe möglicherweise unweigerlich zum Stöbern, Verweilen und Warenkorbfüllen einlädt.

Oder etwa nicht?

Na also!

P.S.: Aufgrund einer Verkettung hier nicht mehr nachvollziehbarer Umstände gehöre auch ich zum erlauchten Kreis der Autoren.
Am Verkaufserlös meiner Karten beteilige ich den "Verein zur Stimmungsverbesserung Potsdamer Postkutscher e.V.".

Das ist ja auch das Mindeste.

24Jan/14

Nichts geht über Currywurst!

Dieser kleine Text jedenfalls nicht, sondern er erzählt im Wesentlichen von einer Frau, die auf dem Gehweg lautstark atmend ganz nah hinter einem Mann herlief, so nah, dass es besagtem Mann gehörig auf den Zeiger ging, zumal ihm sowas schon viel zu oft passiert war und er einfach nicht begreifen konnte, weshalb solche Menschen den vor ihnen laufenden Personen beinahe die Hacken zerlatschten und sie zudem nicht selten so ekelhaft von hinten anschnauften, statt sie etwa flink zu überholen oder ein, zwei Meter Abstand zu halten, und so hatte der Mann, nicht etwa, weil er grundsätzlich böse war, sondern vielmehr aus reiner Verzweiflung und zum Schutze seiner eigenen körperlichen wie seelischen Unversehrtheit, vor einigen Tagen anlässlich einer ähnlichen Situation für den Fall, dass ihm beschriebenes Ungemach das nächste Mal widerfahren würde, einen so simplen wie perfiden Plan ausgeheckt, welcher ihm nun wieder in den Sinn kam, und er wusste genau, so gut kannte er sich selbst, dass er ihn niemals in die Tat umsetzen würde, wenn er es nicht hier und heute tat, wobei es ihm gerade beinahe leid tat, dass nun eine Person büßen sollte nicht nur für ihre eigene, sondern auch für die Verfehlungen vieler ihrer Vorgänger (bzw. ja Nachgänger, aber das wäre jetzt Wortklauberei), doch diese Empfindung, so beschloss er fest, musste er in diesem Moment zu seinem eigenen Wohlergehen unbedingt ignorieren.

Naja.
Ich blieb also abrupt stehen und ihre Fresse knallte schwungvoll gegen meinen Rucksack.

War ganz schön.

21Nov/13

Holz im Kopf

Nach einer liebevoll gemeinten, aber evtl. zunächst doch recht geschmalzt wirkenden Gefühlsäußerung stellte ich kürzlich wieder mal fest, dass ich halt nicht aus Holz bin, mich aber eigentlich auch genau dafür mag.
Was mich dann darauf brachte, mal darüber nachzudenken, ob so ein Holzdasein nicht vielleicht doch auch reizvolle Aspekte haben könnte.

Wäre ich also aus Holz, hätte ich einen guten Teil meines Lebens damit verbracht, mich beinahe regungslos in freier Wildbahn aufzuhalten.
Habe ich so aber auch. Besonders zur Sommerzeit.

Ich könnte ein Regal sein. Oder ein Sekretär oder ein Schrank. Etwas, das wie selbstverständlich und ohne Widerworte schwere Dinge trägt.
Kann ich so aber auch. Wenn's denn unbedingt sein muss.

Oder ich könnte im Baumarkt hochkant in irgendeinem Regal stehen oder waagerecht auf Artgenossen liegen und mich von heimwerkendem Volk betatschen und begutachten lassen.
Könnte ich so aber auch. Nur möchte ich das gar nicht.

Mindestens eines meiner Augen hätte die Aufgabe, wachsam zu sein.
Hat es so aber auch. Meistens.

Ich könnte ein Buch sein. Und man könnte in mir lesen.
Kann man so aber auch. Jedenfalls bis zu einem gewissen Grad.

Meine Oberfläche könnte gewachst oder geölt sein.
Könnte sie so aber auch. Muss halt jeder selber wissen.

In mir würde es arbeiten.
Tut es so aber auch. Oft genug.

Wenn's dumm liefe, könnte ich Wurmbefall haben.
Könnte ich so aber auch. Sowas geht ja ruckzuck.

Wäre ich beispielsweise ein Tisch, könnte ein aus Unachtsamkeit umgestoßenes Bier auf mir auslaufen.
Könnte es so aber auch. Passiert ab und zu.

Eine Säge, ein Hammer oder eine Bohrmaschine könnten mir schwere Verletzungen zufügen.
Könnten sie so aber auch. Können sie. Weiß ich genau.

Gehörte ich einem Italienischen Puppenbauerzausel, könnte eins meiner Körperteile in bestimmten Situationen unkontrolliert zu wachsen beginnen.
Kann es so aber auch.

Es ist demzufolge völlig in Ordnung, sich dafür zu mögen, nicht aus Holz zu sein.

15Nov/13

Bin ich eigentlich glücklich?

Es fragt mich ja nur sehr selten jemand danach, ob ich denn glücklich sei. Noch seltener fragt jemand danach mit der Erwartung einer wahrheitsgetreuen Antwort. Oder ich unterstelle dann gern, dass dies nicht der Fall ist.

Also antworte ich auf diese eben recht selten gestellte Frage zumeist mit einem entschieden klingenden "Ja."
Ein wenig Bauchweh dabei, weil total unreflektiert, aber schön abgehakt, nächstes Thema.

In Einzelfällen, das kommt dann schon sehr auf meine eigene Wertschätzung des Fragestellers an und mein Bauchgefühl, wie sehr denjenigen eine wahrheitsnahe Antwort interessieren dürfte, erwidere ich auch schon mal "Mhhhm, ja schon." oder "Ach doch."
Auch abgehakt, mit ein wenig mehr Bauchweh zwar und mehr Restzweifeln für das Gegenüber, aber doch irgendwie, wenn auch nicht sehr ehrlich, abschließend beantwortet.

Beinahe niemals kommt es vor, dass ich an dieser Stelle wirklich damit rausrücke, ob oder wie glücklich ich derzeit gerade bin. Nicht nur, um das Thema abhaken und langen Berichten darüber ausweichen zu können, ob und was gerade alles rund oder eben nicht so rund läuft, sondern auch und nicht zuletzt, weil ich es im Grunde selbst nur ganz selten so richtig einzuschätzen weiß.

Klar, es gibt diese raren Momente, da passt einfach Vieles oder sogar alles. Da hat man dieses echte, tiefe Gefühl, gerade tatsächlich glücklich zu sein. Aber das sind halt rare Momente, die gehen vorbei, die sind genieß-, aber nicht konservierbar. Außer in Gedanken vielleicht.
Es müsste also schon sehr viel Zufall im Spiel sein, dass einem genau in so einem Moment jemand die oben genannte Frage stellt und man so richtig reinen Gewissens entgegnen kann und möchte: "Jawoll, volle Kanne!"

Aber gibt es denn ein langfristiges Glücklichsein? Kann man das realistisch anstreben und beeinflussen oder passiert es einem einfach irgendwie? Steht man sich zu häufig selbst und somit auch seinem Glück im Weg?
Inwieweit ist man also seines sprichwörtlichen Glückes Schmied? Oder ist es nicht eher so, dass man eigentlich doch nur permanent dem Glücksschmied beim Schmieden zuschaut und -mit etwas Glück- aufmerksam genug ist, die Augenblicke aufzuschnappen, in denen einem Glücksmomente fertig- und bereitgestellt werden?

Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Man sollte dran glauben. Man sollte offen sein fürs Glück. Man sollte alles versuchen, es festzuhalten, wenn es mal auftaucht. Es nicht in Frage stellen, es wertschätzen und nicht an seiner Existenz zweifeln. Und somit alles dafür tun, es so lang wie möglich andauern und immer und immer wieder zuzulassen. Und es bewusst zu genießen.

Schließlich kann es bereits ein großes Glück bedeuten, allein das erkannt zu haben.

Finde ich.