Gedankenschwund

Ich habe mal nachgedacht, was ja durchaus vorkommen kann.
Sogar recht häufig und einigermaßen regelmäßig, aber nicht sehr oft über besonders schlaue Dinge.
So meine eigene Einschätzung. Und der muss ich ja Glauben schenken, zumindest so lange, wie es sich um unausgesprochene Gedanken handelt. Weil dann kenne sie ja nur ich. Jedenfalls gehe ich davon aus.

Nun ist es aber nicht selten so, dass im Nachdenkmodus der eine Gedanke den vorherigen jagt, der daraufhin von wieder einem neuen verfolgt wird usw., wodurch ein Verdrängungsprozess in Gang gesetzt wird, der zumindest einige der früheren Gedanken nach nicht allzu langer Zeit verschwinden lässt. Noch bevor man überhaupt dazu kam, sie in Wort, Schrift oder Bild unter die Leute oder wenigstens einen Leut zu bringen, sind sie oftmals bereits verstorben.
Das wäre in den meisten Fällen gar nicht weiter tragisch, handelt es sich doch -wie oben erwähnt- in der Mehrzahl um Gedanken von gewissermaßen geringer intellektueller Substanz. Doch es verenden halt auch halbwegs oder sogar sehr kluge Denkereien, noch bevor sie das Licht, also das Auge oder das Ohr der Welt erblicken konnten. Die größte Tücke hieran: man weiß noch, dass es den Gedanken gegeben hat. Ebenso wie man an manchem Morgen noch genau weiß, dass man extrem lebhaft träumte, sich aber inhaltlich an rein gar nichts mehr erinnert, so sehr man es auch versucht.
Der Traum bzw. der Gedanke, von dem man weiß, dass es ihn gab, bleibt verschwunden. Ende, Aus, Feierabend.

Heute ist mir genau das passiert.

Zunächst dachte ich drei, vier eher belanglose Gedanken. An einen davon erinnere ich mich noch gut, es mag der dritte gewesen sein, und es ging im weitesten Sinne um die Frage, warum es Schuhe für Barfußläufer geben muss, wenn die Barfußläufer, sobald sie Barfußlaufschuhe an den Füßen tragen, faktisch keine Barfußläufer mehr sind. Sie können dann nicht mal Barfußsteher, -hüpfer oder -lieger sein, das ist ausgeschlossen. In dem Zusammenhang trieb mich auch die Frage um, ob der Begriff „Barfußlaufschuh“ denn nicht grundsätzlich Schwindelei und absurder Käse ist, wobei ich hier den Zusammenhang zwischen Füßen und Käse einigermaßen amüsant fand. Insgesamt aber ein eher ernster Gedanke, handelt es sich schließlich um nicht weniger als einen Betrugsverdacht.

Diesen Gedanken also konnte ich bei mir behalten. Es folgten weitere, von denen ich zum Teil noch Bruchstücke im Kopf habe, deren Erwähnung hier aber nur unnötige Verwirrung stiften würde. Andere bekäme ich noch problemlos zusammen. Sie drehten sich jedoch um Arbeits- und Kollegenkram und enthielten potentiell straf- bzw. mindestens zivilrechtlich relevante Begrifflichkeiten, weshalb ich auf ihre Niederschrift lieber verzichte. Weiterhelfen konnten diese Gedanken mir auch nicht, insofern hätten die im Laufe des Vormittags mal schön verrecken können.

Aber nein. Abhanden gekommen ist mir in dieser Zeit dafür ein ganz anderer Gedanke. Einer, von dem ich nur noch weiß, dass ich ihn großartig fand. Klug und spannend oder wenigstens eins von beiden, jedenfalls einer, den ich teilen wollte. Der es meiner Ansicht nach wert war, zu überleben. Und der starb. Oder genauer gesagt: er wurde getötet. Von einem der Folgegedanken gerissen und verspeist. Und bis zur Unkenntlichkeit verdaut.

In der Natur gilt das Gesetz des Stärkeren. Die Löwin bringt die Gazelle zur Strecke. Punkt.
Jetzt sind Gedanken sicherlich auch als natürlich zu bezeichnen, aber die Gesetze sind in ihrem Fall nicht so klar. Hier kann, und das beweise ich im Folgenden, sogar eine dreibeinige, hirntote Gazelle einer stattlichen, überdurchschnittlich starken Löwin den Garaus machen.

Der aberwitzig klägliche Gazellengedanke, der meinen über die Maßen muskulösen Löwinnengedanken tötete, beschäftigte sich mit der Feststellung, dass ein Bungalow in den Bergen eigentlich Bungahigh genannt werden müsste.

Vielleicht sollte ich einfach seltener nachdenken. Das schaffen Andere ja auch.

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